Fragment uit Innoncens

De Oostenrijker Ferdinand von Saar heeft een erg mooi Praag-verhaal heeft geschreven: Innocens. Een in een realistische stijl opgezette novelle over een priester op Vyšehrad, een wijk rond oude vestingwerken van waaruit je als toerist tegenwoordig een mooi uitzicht hebt over de stad. Ik vind het boekje mooi omdat het heel ingehouden vertelt over een levenslange liefde die nooit mocht zijn en toch, op een bepaalde manier, wordt beleefd. De stem van de priester is daarin essentieel: hij vertelt ingehouden en toch vlammend. Innocens is heruitgegeven door Vitalis en nog steeds te koop. En op Gutenberg is de tekst gratis te lezen. Ik kocht het boek in het gouden straatje, in het huis waar Kafka nog heeft geschreven. Een zinloos maar leuk detail.

Wirklich wurde die Kranke von Minute zu Minute ruhiger, die Delirien hörten auf; das Bewegen und Zucken der Arme wurde seltener, und die wüste Bewußtlosigkeit schien einem tiefen, wohltätigen Schlummer zu weichen.

Ich hatte mich ihr zu Häupten gesetzt und hielt ihren Puls leicht umfaßt. Ludmilla war hart am Bette niedergekniet und schien mit aufgestützten Armen zu einem Heiligenbilde an der Wand zu beten. Der Knabe lag, von dem bleiernen Schlaf der frühen Jugend bewältigt, mit überhangendem Haupte in einem alten Lehnstuhl. Still quoll die Nachtluft durch das geöffnete Fenster herein und spielte mit der gedämpften Flamme der Lampe, um welche, vom trügerischen Schein in die Stube gelockt, ein schwerfälliger Falter in immer engeren Kreisen schwirrte.

Da war es mir, als neige sich das Haupt des knienden Mädchens der Seite zu, wo ich saß. Und wie es jetzt tiefer und tiefer sank, lösten sich langsam die gefalteten Hände, die Arme fielen schlaff an den Hüften hinunter, und eh’ ich mich dessen versah, glitt der Oberleib der vom Schlafe Übermannten sanft in meinen Schoß herüber.

Eine nie gekannte Empfindung durchzuckte mich, als die holde Last plötzlich auf meinen Knien lag. All mein Blut schoß zum Herzen; ich fühlte, wie ich erblaßte. Was sollte ich beginnen? Sollte ich sie wecken? Und wenn ich es tat, mußte sie nicht gewahren, daß sie in meinem Schoße lag? Ein tiefes Schamgefühl überkam mich und trieb mir das Blut, heiß zum Versengen, in die Wangen zurück. Ich wagte mich nicht zu rühren. Ich spürte, wie sich die Brust der Jungfrau im festen Schlummer gleichmäßig hob und senkte, und lauschte auf ihre Atemzüge, die sich mit den leisen des Knaben und den schnellen, stoßweisen der Kranken vermischten. Mein Herz schlug hörbar; der Falter schwirrte noch immer ums Licht; draußen zirpten die Grillen.

Plötzlich erlosch knisternd die Lampe. Der Falter hatte das Flämmchen, endlich hineinflatternd, erstickt. Ludmilla machte im Schlafe eine Bewegung. Dabei berührte ihr warmer Hauch meine Hand. Ein heißer Schauer durchrieselte mich, meine Pulse flogen, und in der Verwirrung meiner Sinne beugte ich mich nieder, und mein Mund streifte zitternd das weiche, duftige Haar der Schläferin. Aber gleichzeitig, wie von einer inneren Angst getrieben, schob ich sie sanft von mir und erhob mich.

Ludmilla erwachte und schien sich lange nicht besinnen zu können, als sie sich so am Boden und im Dunkeln befand. Ich sagte mit bebender Stimme, sie möge die Lampe anzünden, die eben erloschen sei. Sie tat es schämig verwirrt und erwiderte, indem sie mit den Händen über das rosige Gesicht fuhr: ›Mein Gott, mir scheint, ich habe gar geschlafen.‹

Ich schwieg und wechselte den Umschlag der Kranken. Es tat mir wohl, die fiebernden Hände ins Wasser zu tauchen; doch kühlte es nicht die Glut, die mich noch immer durchtobte.

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